„Du bist ein eleganter Boxer.“ Als siebenfacher Europameister und Vize-Weltmeister im Superweltergewicht ist Saïd Skouma eine Persönlichkeit, die ebenso fasziniert wie sie Neugier weckt. An diesem Samstag, dem 14. Oktober, ist der Boxer zu Gast beim Haizebegi-Festival und stellt sich den Blicken des Publikums.
Saïd Skouma erzählt von Saïd Skouma
Schon allein durch den Klang seiner Stimme offenbart sich der Boxer. In der Hördokumentation des Ethnologen und Regisseurs Michel Tabet erwacht der ehemalige Sportler zum Leben. Mit besonderer Intimität und einer gewissen bewegenden Sanftheit lässt er sich hören. Der Film verzichtet dabei auf das Bild – ein Bild, das laut dem Regisseur zu aufdringlich ist und das er bewusst einspart, um die Bedeutung des Gesprochenen zu unterstreichen.

Zwischen dem Rauschen der Verstärker und dem Knallen der Türen erzählt Saïd Skouma aus seinem Leben, schildert sein Marokko, den Tod seiner Großmutter, seine Erinnerungen und Kämpfe. Ein Satz kehrt immer wieder zurück und wird wiederholt skandiert: „Du wirst der Hirte deiner Freiheit sein.“ Ein Wort wie aus dem Evangelium, das ihm den Weg weist und das einst sein Trainer ausgesprochen hat.
Das Boxen ist dort anders. Frei von jeglicher Gewalt beschreibt Saïd Skouma es als einen Tanz zu Jazzklängen. Eine Lesung von Auszügen aus seinem Buch „Le Corps du Boxeur“ (Pauvert, 2001) bildet den Abschluss dieser Dokumentation. Er entführt das Publikum in das Marokko seiner Erinnerungen, ein Marokko voller Klänge und Düfte, voller poetischer Bilder, die einen Zuhörer sogar zu Tränen rühren.
Emotionen und Vermittlung
Die Vorfreude. Das ist das Gefühl, das er seit Beginn des Festivals zum Ausdruck bringt und das sich auch im Ring widerspiegelt. Als Festivalleiter Denis Laborde auf der Bühne der Eröffnungsfeier der10. Ausgabe des Haizebegi-Festivals Saïd Skouma befragte, war es bereits die Vorfreude, die die Oberhand gewann. Die Ungeduld, dass das Festival endlich in vollem Gange ist und er sein neues Buch vorstellen kann.

Genau diese Emotion drückt er aus, als er seine Leistungen bei der Vorführung seines Kampfes bei der Weltmeisterschaft 1987 kommentiert – eines, den sein Trainer, der das Handtuch warf, ihn nicht zu Ende kämpfen ließ. Als drei Stunden vor der Meisterschaft der Countdown läuft, scheint Saïd Skouma nicht von Nervosität befallen zu sein: „In diesem Moment kann ich es kaum erwarten, dass es losgeht!“, versichert er.
Rückblick auf die Niederlage eines Champions
Im März 1987 kämpfen Saïd Skouma und Buster Drayton um den Weltmeistertitel. Als Kommentator gewährt uns Saïd Skouma einen Einblick hinter die Kulissen des Kampfes. Als Michel Tablet ihn zum Thema Ruhm und seine Auftritte im Fernsehen befragt, kommt er direkt und pointiert auf den Punkt: „Alle lieben dich, aber alle ficken dich auch in den Arsch!“ Als Spitzensportler muss man vorsichtig sein und wissen, wem man vertrauen kann. Das sind die Lehren, die man vom siebenfachen Europameister ziehen kann.

Dieser unvergessliche Kampf hat nicht nur das Publikum beeindruckt, wie die Physiotherapeutin von Saïd Skouma verrät. Als Überraschungsgast des Festivals geht sie auf die Worte des Boxers Buster Drayton ein, der am Tag nach dem Kampf erklärte, Saïd Skouma sei derjenige gewesen, der ihm die schwersten körperlichen Folgen hinterlassen habe. Ein Champion, der Spuren hinterlässt.
Yona Bernadas und Jérémy Casaux

